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Meine Familie in Ton.

Abstrakte Formen.

Ich entscheide mich für den weißen Ton, schneide mir ein Stück ab und beginne meinen Vater zu formen. Warum beginne ich eigentlich mit meinem Vater? Vielleicht, weil er schon seit 20 Jahren tot ist. Ich glaube, ich nutze dieses Gestalten, um wieder einen inneren Kontakt zu ihm aufzubauen und es war auch die Beziehung, in der ich mir mehr Nähe gewünscht hätte. Ich forme. 

Kopf, Arme, Beine. Erinnerungen tauchen auf. Doch irgendwie funktioniert das hier nicht. Ich kriege das nicht hin. Liegt das an meiner Beziehung zu meinem Vater? Ich entscheide, meine Mutter zu formen.

Kopf, Arme, Beine. Es geht mir nicht gut von der Hand. Ok, ich forme mich! Hier geht es mir nicht anders. Ich verliere die Lust.

Kopf, Arme, Beine. Das langweilt mich. Das ist mir zu eng. Das ist mir zu „kopfig“, zu genau. Ich will mit dem Ton gehen, drücken, ziehen, ausstreichen, sehen welche Formen mit dem Gefühl entstehen.

Das tue ich jetzt! Das geht, das fließt, Abstrakte formen entstehen und ich fühle mich wieder besser.

 

Erinnerungen erwachen.

Ich beginne meine Mutter zu formen. Meine Mutter...zerbrechlich und Schutz suchend, heiter und zu Tode betrübt. Sie wurde als junge Frau missbraucht, ich denke dieses Erlebnis konnte sie nie ganz verarbeiten. Sie saß oft am Boden und las die Bibel. Warum saß sie eigentlich immer am Boden? ; Es ist ja nicht so, dass wir keine Sessel gehabt hätten. Meine Mutter war eine wundervolle Geschichtenerzählerin, aber sie erzählte eben keine Märchen, sondern die Geschichten aus der Bibel. Von Daniel in der Löwengrube, vom starken Samson, dessen ganze körperliche Kraft in seinen langen Haaren verborgen war und vom weisen König Salomon, der sogar die Geister befehlen konnte.

 

Ich fühlte mich meiner Mutter immer sehr nahe.

 

Als Kind konnte ich beobachten wie sie die körperliche Nähe meines Vaters ablehnte, wie sie sich versteifte, wenn er  ihr nahe kam. Meine Eltern haben sich oft gestritten. Ich kann noch die Worte hören: Du! Du! Du! Immer wieder machten sie sich gegenseitig Vorwürfe. Oft war auch Geld das Thema, das sie laut meines Vaters aus dem Fenster warf. Meine Mutter arbeitete als Sekretärin und hörte erst auf  zu arbeiten als ich auf die Welt kam. Sie konnte nie wieder einsteigen und ich denke sie vereinsamte und fühlte sich überfordert mit dem „nur“ Mutter sein. Ich stelle die Figur meiner Mutter ab, neben der meines Vaters unter seine schützende aber auch schlagende Hand. Er schlug meist, wenn sie stritten und er betrunken war. Durch den Alkohol schnitt er sich von seinem Fühlen ab. Ich verdrehe die Figur meines Vaters, so wie auch er sich verdrehte...

Fortsetung folgt.